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Prof. Dr. Rafaela Kraus gewährt den P-Seminaren des HLG Einblick in eine besondere Karriere

Kraus1„Ich hatte mir fest in den Kopf gesetzt, Künstlerin zu werden“. Mit diesen Worten beginnt Prof. Dr. Rafaela Kraus ihren Vortrag in der Bibliothek des HLG. Josef Weinberger begrüßte im Namen der Schulleitung zuvor die ehemalige Schülerin, die der Einladung, Gast am HLG zu sein, gefolgt war, um den P-Seminarteilnehmern der 11. Jahrgangsstufe ihren außergewöhnlichen Werdegang aufzuzeigen. „Mit einem festen Ziel vor Augen meisterte sie jede Lebenslage“, so Weinberger.

 

Obwohl Kraus nach ihrem Abitur im Jahr 1986 zahlreiche Nebenjobs ausübte, viele Praktika auf der Suche nach sich selbst absolvierte, war ihr größter Wunsch ein Kunststudium. Mit diesem ersten ehrlichen Blick auf ihre Universitätslaufbahn gab Kraus, mittlerweile erfahrene Professorin der Fakultät Betriebswirtschaft, insbesondere Personalmanagement, an der Universität der Bundeswehr in München, den Schülern einen ersten wichtigen Tipp: Möglichst viele Praktika zu absolvieren, sei die perfekte Möglichkeit, sich ein Bild vom späteren Beruf zu machen.

So kam es auch, dass Kraus selbst den Wunsch, Künstlerin zu werden, aufgab und sich der Betriebswirtschaft widmete. Um ihren Horizont zu erweitern, ging sie für ein Jahr nach Paris an die Sorbonne. Bei der Rückkehr nach Deutschland waren nicht nur neue Erfahrungen, sondern auch Sohn Vincent im Gepäck.

Nun galt es, den Spagat zwischen Kindererziehung und Diplomarbeit zu schaffen. Ihre Forschung richtete sie jetzt auf die Ermittlung der Faktoren von medizinischen Dienstleistungen, um ein weiteres Interessensgebiet, die Psychologie, mit der Betriebswirtschaft zu verknüpfen. Die Richtung, die sie künftig einschlagen wollte, war bereits damals klar: Eine Kombination aus Organisationspsychologie und Unternehmensberatung. Sie entschied sich, noch einen Schritt weiter zu gehen, und nahm das Angebot einer Doktorandenstelle an der Universität der Bundeswehr in München an. Fast zeitgleich mit dem Doktortitel erblickte Tochter Johanna das Licht der Welt. Trotz der weiteren Verantwortung für ein Kind gab Prof. Kraus die Idee der Unternehmensberatung nicht auf und widmete sich kleineren Projekten, wie zum Beispiel der Beratung eines Krankenhauses in der Abwicklung von Fällen in der Notaufnahme.

Darüber hinaus verweist Kraus auf das Problem einer rein wissenschaftlichen Karriere: Man müsse viel Zeit an verschiedenen Universitäten investieren, obwohl natürlich nicht klar sei, ob die Qualifizierung auch in eine Stelle münde. Das Risiko dieser Laufbahn liege vor allem in fehlender Praxisnähe, die Firmen von künftigen Mitarbeitern forderten. Mitten in diese Überlegungen der zweifachen Mutter kündigte sich im Jahr 2000 Töchterchen Josephine an.

Neben zahlreichen Tipps für das Studium und die Bewerbung gibt die sympathische Professorin zugleich persönliche Ratschläge, die alle Schüler motivieren sollten, nicht aufzugeben, offen für Neues zu sein und dabei strikt ihr Ziel zu verfolgen. Dass sich Karriere und Familie vereinen lassen, zeigt die Tatsache, dass Kraus nach der erfolgreichen Bewerbung für die Professur Personalmanagement an der Universität der Bundeswehr in München in den Jahren 2010 und 2014 noch zwei weiteren Töchtern, Felice und Salome, das Leben geschenkt hat. Nebenbei übte sie das Amt der Dekanin bzw. seit 2014 das Amt der Prodekanin aus, was eine Menge an verwaltungstechnischen Aufgaben bedeutet.

Nach diesem persönlichen Werdegang wirft die ehemalige Schülerin des HLG einen Blick auf das Personalmanagement selbst und ihre momentane Forschung. Diese gilt der Idee, Wissen von Universitäten nach dem Vorbild von Facebook zu teilen. Dabei sollen Motivationsfaktoren, wie Likes und Votings Anreize schaffen.

Letzten Endes stellt sie dem Auditorium vor, was man mitbringen muss, wenn man die Karriere eines Professors anstrebt. Dazu gehörten Lesespaß und Freude daran, selbst Texte zu verfassen. Dabei sei es nötig, in die Tiefe der Wissenschaft einzudringen und sich zu spezialisieren. Eine gewisse Eloquenz sei ebenso wichtig wie intrinsische Anreize, da man sich selbst gewählten Themen allein ohne jegliche Beratung widmen müsse. Und ganz zum Schluss bestätigt sie die Eigenschaft, die ihr Weinberger in der Begrüßung attestiert hat: Man brauche Geduld und ein festes Ziel vor Augen.

Mit dieser letzten Empfehlung eröffnet Kraus die anschließende Diskussionsrunde, die noch einige Fragen zum Studium im Allgemeinen und gerade an der Universität der Bundeswehr beantworten kann. Ein Schüler, der offen zugibt, eines Tages selbst Professor werden zu wollen, müsste sich besonders für diesen gelungenen Vortrag interessiert haben.

Mit einem Landshuter Buchskranzerl und einem großen Applaus wird die ehemalige Schülerin des HLG verabschiedet, die der Q 11 eine informative Doppelstunde in der Bibliothek gewährt hat.