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Gibt es die absolute Gerechtigkeit?

Werden wir alle immer fair behandelt und agieren wir selbst tatsächlich auch immer in gerechter Weise?

 

Diese Fragen stellten sich Schüler und Lehrer am 31.7.15 im Rahmen des Schuljahresabschlussgottesdiensts am Hans-Leinberger-Gymnasium. Dieser Open-Air-Gottesdienst auf dem Pausenhof des HLG war nicht nur wegen des traumhaften Wetters etwas ganz Besonderes, sondern auch wegen des eingeladenen Gastes, der den Gottesdienst konzelebrierte.

Seit dem Jahr 2014 werden an das HLG ehemalige Schüler eingeladen, die im Jahresbericht ein Interview geben und sich dann aktiv ins Schulleben einbringen. Kirchenrat Jochen Bernhardt, der im Jahr 1985 am HLG sein Abitur abgelegt hat und nun am Landeskirchenamt der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern das Referat Personalangelegenheiten der Religionspädagogen leitet, hatte sich dankenswerterweise dazu bereit erklärt, den Abschlussgottesdienst mit dem Thema „Fairness und Gerechtigkeit in der Schule“ in Zusammenarbeit mit den Lehrkräften für Katholische und Evangelische Religion zu gestalten und diesem dadurch eine ganz besondere Note zu verleihen.

Das Thema Gerechtigkeit, auf das OStR Horst Leitenberger in seiner Begrüßung einstimmte, war auch ein zentrales Anliegen der Lesung aus Matthäus 20, 1-16 „Von den Arbeitern im Weinberg“. In Anlehnung an die Arbeiter, die sich darüber beschweren, dass nicht jeder im Weinberg gleiche Arbeit geleistet und doch dafür einen Silbergroschen als Tagelohn erhalten habe, hatten sich die Schüler aus der 6., 8. und 10. Klasse Gedanken zu Fairness im Unterricht gemacht. Diese wurden im Anschluss verlesen. Auf die ganz unterschiedlich dargestellten Empfindungen ging Kirchenrat Jochen Bernhardt in seiner folgenden Predigt ein. Dabei streifte er seine Zeit als Schüler am HLG ein, das er ab der 10. Klasse besuchte. Seine eigenen geschilderten Erfahrungen, die er als “Neuer“ in der Klasse machte, zeigten, dass Gerechtigkeit einen jeden von uns tangiert. Durch den fiktiven Entwurf einer Schule als Beispiel für Gerechtigkeit spannte er den Bogen zu den vorgelesenen Empfindungen der Schüler. Man sollte sich vorstellen, dass in einer Schule alle Schüler, egal wie viel Punkte sie in der Schulaufgabe erreicht hätten, dieselbe Note erzielt hätten. Ein lautes Murmeln der Anwesenden ging durch die Reihen. Zu Recht! Denn dieses Vorgehen eines nicht existenten Lehrers wurde vom Auditorium als unfair empfunden. So aber zog Jochen Bernhardt eine Parallele zu den Arbeitern, die sich ihrerseits vom Inhaber des Weinbergs ungerecht behandelt fühlten, der aber jeden gleich behandeln wollte. Denn Gott selbst bemesse den Menschen nicht ausschließlich nach seinen Taten und Werken, sondern nach seinen inneren Werten. So solle man selbst in sich gehen und empfundene Ungerechtigkeit hinterfragen. Dass dies allen Schülern und Lehrern gelingen möge, formulierten die sich anschließenden Fürbitten. Eine zentrale Botschaft jedoch konnten am Ende alle in die nahen Sommerferien mitnehmen: Absolute Gerechtigkeit gibt es nicht, Gott aber ist für jeden Menschen da!

Mit den besten Wünschen für die anstehenden Ferien und dem Schlusssegen verabschiedete sich Jochen Bernhardt von seiner ehemaligen Schule. Das Hans-Leinberger-Gymnasium dankt ihm für seine Bereitschaft, am Gottesdienst mitzuwirken, und würde sich freuen, ihn erneut begrüßen zu dürfen, wenn es wieder heißt: Ehemalige Schüler sind zu Gast am HLG!