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Geschichte hautnah

Zwölf Stunden Arbeit täglich, Brot, das aus mehr Sand und Stroh als aus Mehl bestand, heißes Wasser mit Gras, am Tag 600 Kalorien, Stacheldrahtzaun, Demütigungen, Todesangst, 40 Juden am Galgen, darunter auch Bekannte, johlende SS-Leute – so beschreibt Bernard Marks sein Leben als 9-Jähriger im Ghetto von Lodz im Jahr 1940, nach der Besetzung Polens durch die Deutschen.

An die zweihundert Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe sitzen im Salzstadel – die Schule hat leider keinen Raum, der groß genug wäre – und lauschen gebannt und tief beeindruckt dem fast 80 Jahre alten Mann, der die Jugendlichen an der schrecklichsten Zeit seines Lebens teilhaben lässt. Er gesteht ihnen, dass ihm das schwerfalle und dass er immer noch Alpträume habe und nachts schreien würde. Trotzdem sprüht er vor Energie und Witz und keine Frage ist ihm zu viel, denn er hat sich einer wichtigen Aufgabe verschrieben. Er will helfen, „eine bessere Welt zu machen", indem er von den Gräueln des Nationalsozialismus berichtet. So reist er seit 1995 immer wieder von Sacramento / Kalifornien nach Deutschland und hält Vorträge.

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„Mein Vater war mein Engel" sagt Bernard Marks, ihm habe er mehrfach sein Leben zu verdanken. Als die Deutschen 1940 die Juden von Lodz im Ghetto zusammenpferchten, machte ihn sein Vater fünf Jahre älter, damit der kleine Ber eine Arbeitsregistrierung erhielt. Diese Arbeitskarte rettete ihn 1944 an der Rampe von Auschwitz vor dem Todesurteil. Die schreckliche „Reise" ging weiter – nach Dachau, nach Landsberg, wo er als Zwangsarbeiter eingesetzt wurde. Nach der Befreiung am 27. April 1945 durch die amerikanischen Soldaten, die den ausgehungerten Gefangenen Corned Beef und Schokolade anboten, verbot der Vater dem jetzt 13-Jährigen dieses verlockende Essen. „Er wusste," so Marks, „mein Körper hätte das nicht vertragen können. Viele sind noch daran gestorben."

„Was wollten Sie als Erstes nach der Befreiung?" möchte eine Schülerin wissen. Nach „5 ½ Jahren in der Hölle" habe er möglichst schnell in die Schule gehen und Versäumtes nachholen wollen, erinnert sich Marks und ermuntert die Schülerinnen und Schüler dazu, sich möglichst viel Wissen, besonders auch über die Zeit des Nationalsozialismus anzueignen – nicht um Schuldgefühle zu entwickeln, sondern um Toleranz und Gleichberechtigung schätzen zu lernen.