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Plato-Projekt Sibiu 2005
Samstag, den 12. November 2005 um die Mittagszeit begann unsere Odyssee, eine weite Fahrt gen Osten durch die tiefe transsilvanische Nacht. Am nächsten Morgen nach waghalsigen Überholmanövern in der nebelblinden Dunkelheit kam die buntgemischte Gruppe von Schülern und Begleitern aus Karlsruhe, Landshut, Asnaes/ Dänemark und Pressbaum/ Österreich nach 20-stündiger Busfahrt am Ziel ihrer Wünsche, in Sibiu/ Hermannstadt, an. Dort fand vom 13. bis zum 19. November 2005 das zehnte Plato-Projekt unter der Federführung der drei Hermannstädter Gymnasien George Lazar, Octavian Goga und Liceul de Arta statt.

Die Schülerinnen und Schüler wurden bei ihren rumänischen Gastfamilien, die begleitenden Lehrkräfte bei rumänischen Kollegen untergebracht. Übergeordnetes Thema des Plato-Projekts 2005 war "Tourismus in Sibiu". Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler hatten auch in Hinblick auf Sibius Rolle als Europäische Kulturhauptstadt 2007 die Aufgabe, aus der Sicht von Jugendlichen verschiedene Aspekte dieser Stadt einem jugendlichen Publikum, Gästen aus aller Welt vorzustellen. Dazu wurden Untergruppen zu folgenden Themen gebildet:

· Sehenswürdigkeiten in Sibiu, gesehen und vorgestellt von jungen Menschen
· Sehenswertes, Spektakuläres in Sibius Umgebung
· Sport- und Freizeitaktivitäten in Sommer und Winter
· Kultur für Jugendliche (Musik, Theater, Museen, Veranstaltungen)
· Wo gehen junge Leute hin? (Nachtleben, Gastronomie, Shopping)
· Geschichte Sibius von Jugendlichen für Jugendliche
· Nützliche Informationen (medizinische Versorgung, Flugverbindungen etc.)
· Sibius junge Generation: Wie sehen wir uns? Was erwarten wir von der Zukunft, was von Europa?


Die Arbeitsgruppen leiteten verschiedene Lehrkräfte und man achtete bei der Gruppenzusammensetzung darauf, die Gäste mit ihren jeweiligen Gastgebern Teams bilden zu lassen und diese möglichst mit Teilnehmern aller beteiligten Nationalitäten zu besetzen. Kommuniziert wurde auf Englisch. Manchen Gruppen standen engagierte und tatkräftige rumänische Studentinnen hilfreich zur Seite, die vor allem auch bei Sprachproblemen vermitteln konnten. An drei Tagen schwärmten die Teams aus, um in Sibiu und Umgebung Informationen aus erster Hand zu sammeln. So begann - bei strahlendem Sonnenschein - beispielsweise das Team "Sights in Sibiu" mit Führungen durch die Altstadt, in der momentan an allen Ecken und Enden renoviert und gewerkelt wird, um Sibiu als Kulturhauptstadt Europas herauszuputzen. Die rumänischen Schülerinnen zeigten sich als extrem gut vorbereitet: In verblüffend gutem Englisch gaben sie uns in freier Rede ein eindrucksvolles Bild dieser von Sehenswertem nur so überbordenden Stadt. Sie erzählten uns detailreich von der ereignisreichen Geschichte ihrer Stadt, zeigten und erklärten uns Plätze, Kirchen, Gassen, ver-borgene Ecken und Winkel, gaben Anekdoten zum Besten. Ausgehend von diesen Informationen, Gedanken, Impressionen erstellten die Gruppen dann Computerpräsentationen, Booklets, thematische Karten, wobei vor allem der persönliche Zu-gang, die individuelle subjektive Wahrnehmung, auch die Originalität der Darstellung im Vordergrund standen. Die computerlesbaren Einzelarbeiten wurden während der Woche von einem unermüdlich, akribisch arbeitenden Team von höchst kompetenten Computerspezialisten des George Lazar zu einer Gesamtschau zusammengestellt; von diesem - wie ich finde - beeindruckenden Ergebnis kann sich der Interessierte unter www.plato-at-schools.net einen Eindruck verschaffen.

Am Abschlussabend präsentierten die einzelnen Gruppen zahlreichen Gästen ihre Ergebnisse und stellten noch einmal unter Beweis, dass sie in der Lage sind, auch komplexe Sachverhalte in einer fremden Sprache, auf Englisch, darzustellen. Bei dieser Veranstaltung sprach unter anderen der Oberbürgermeister Sibius, Klaus-Werner Johannis, Grußworte, der langjährige Koordinator des Plato-Projekts Klaus Wegmann betonte in seiner Rede zum 10-jährigen Plato-Jubiläum Grundgedanken des Projekts wie die Überwindung von (mentalen) Grenzen, von Barrieren in unseren Köpfen, zu dem ein Treffen junger Menschen wie in Sibiu zumindest einen kleinen Beitrag leisten könne. Der Schulleiter des Hans-Leinberger-Gymnasiums, Peter Renoth, bedankte sich in einer originellen Rede bei den Koordinatoren und den Teilnehmern. Für einen gelungenen musikalischen Rahmen sorgten junge Musiker aus dem Liceul de Arta.

Neben der konzentrierten Arbeit an dem eigentlichen Projektthema boten die rumä-nischen Koordinatoren ihren Gästen ein anregendes Rahmenprogramm, wobei ich beispielgebend die deutschsprachige Aufführung des Theaterstücks "Die Arabische Nacht" von Roland Schimmelpfennig herausstellen möchte, das der junge Regisseur Radu Alexandru Nica äußerst gelungen sehr körper- und bewegungsbetont in Szene setzte.

Für mich als betreuende Lehrkraft war es ein besonderes Erlebnis während dieser Woche in Sibiu mit diesen hochmotivierten und sehr gut vorbereiteten Schülerinnen und Schülern zu arbeiten, zu sehen, mit welchem Engagement, welcher Ausdauer, welchem Können sie ihre Aufgaben anpackten und gemeinsam Lösungen fanden. Inhaltlich wurde also in dieser Woche viel geleistet, zentral ist aber für das seit zehn Jahren bestehende Plato-Projekt auch die Begegnung, das Eintauchen in eine fremde Kultur, die Auseinandersetzung mit anderen Lebensumständen und einer anderen Lebensweise. Die Schülerinnen und Schüler zeigten hier in Sibiu neben ihrer fachlichen Kompetenz in eindrucksvoller Weise die Fähigkeit zur (fremdsprachigen) Kommunikation, zum offenen Umgang mit anderen, zur Kooperation ohne Grenzen, wie es das Motto des Plato-Projekts fordert.

Besonders beeindruckend für die Gäste waren auch die schier grenzenlose Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit unserer rumänischen Gastgeber, die brillante Vorbereitung und Organisation dieses zehnten Platoprojekts, für die ich mich auch an dieser Stelle noch einmal bedanken möchte. Herauszustellen sind an dieser Stelle auch die beiden Koordinatorinnen des Hans-Leinberger-Gymnasiums, Frau Faber und Frau Wegmann, die im Vorfeld und während der Tage in Sibiu durch ihren immensen Einsatz sowohl die Teilnahme der HLGler ermöglichten als auch zum Gelingen der Veranstaltung in Sibiu in besonderem Maße beitrugen. Abschließend sei auch dem Förderverein des Hans-Leinberger-Gymnasiums gedankt, der durch eine großzügige Spende das Plato-Projekt unterstützte.

Mir bleibt zu wünschen, dass diese völkerverbindende Veranstaltung, die bei den Teilnehmern einen tiefen und bleibenden Eindruck hinterließ, noch lange weiterlebt, zehn weitere Jahre mindestens.

Andreas Herdeis

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