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Rot, Grün und Weiß – die Farben eines „gewaltigen“ Abends

Das HLG-Oberstufentheater spielt Beckett, Ionesco und Handke

Bitte lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker! – Diese Warnung wäre auch vor dem Besuch der Theateraufführung „ohnMACHT“ am Hans-Leinberger-Gymnasium angebracht gewesen. Denn die Inszenierung der drei „gewaltigen“ Dramen von Beckett, Ionesco und Handke blieb dem Publikum noch lange im Magen liegen.
Das Oberstufentheater des HLG verquickte die drei modernen Stücke zu einer ungewöhnlichen Darbietung, die der Theatergruppe absolute Präzision abverlangte. Die Zuschauer wurden dabei in Gruppen an die unterschiedlichen Aufführungsorte geführt. Dort sahen sie im Schichtbetrieb gekürzte und veränderte Versionen der bekannten Werke „Warten auf Godot“, „Die Unterrichtsstunde“ und „Publikumsbeschimpfung“. Dazwischen entstehende kurze „Wanderpausen“ waren für das Publikum unabdingbar, um die schwere Kost verdauen zu können.

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Besonders nahe ging den Zuschauern dabei das Schicksal der niedlich-naiven Schülerin, überzeugend dargestellt von Franziska Kreuzpaintner. Diese wird von ihren Lehrern, alle mit roten Accessoires ausgestattet, in der Abiturprüfung systematisch fertiggemacht, bis ihre anfängliche Sorglosigkeit in Selbstzweifel und nackte Angst umschlägt. Während sich die Situation zuspitzte, litten die Zuschauer mit und wanden sich regelrecht auf ihren Stühlen.
Auch in „Warten auf Godot“ wurde das Publikum Zeuge von Mobbing, wenn Jannice Koch als Pozzo wunderbar herrisch die Peitsche schwang, um ihrem Sklaven Lucky die Machtverhältnisse zu verdeutlichen. Die Wartenden, plakativ in grün gekleidet, führten den Zuschauern vor Augen, wie schnell Mitleid in Voyeurismus umschlagen kann.

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Bei der „Publikumsbeschimpfung“ wurden die üblichen Theaterkonventionen umgedreht und der Zuschauer in den Mittelpunkt gerückt. Die schwarz-weiß gekleideten Akteure drängten das Publikum im wörtlichen wie im übertragenen Sinne in die Enge und manipulierten jeden Gedanken der Zuschauer durch ständige Anweisungen. Bei den wüsten Beschimpfungen am Ende musste man dem Drang widerstehen, sich die Ohren zuzuhalten.

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Im beeindruckenden Schlussbild war klar, warum diese Inszenierung so sehr in ihren Bann zog: Das einzigartige Konzept war bis ins letzte Detail durchdacht und die Schauspieler setzten dieses unter Leitung von Elisabeth Hübner gekonnt um. Für die weiteren Vorstellungen am Donnerstag und Freitag um 19 Uhr gibt es jeweils ab 18:30 Uhr in der Aula des Hans-Leinberger-Gymnasiums kostenlose Karten.

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