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„EU-Europa darf nicht scheitern – Besinnt Euch, Bürger!”

Prof. Dr. Gisela Müller Brandeck Bocquet  Mit diesem Appell besuchte am Montag, den 18.07.2016, Prof. Dr. Gisela Müller-Brandeck-Bocquet die Schülerinnen und Schüler der Q11 des Hans-Leinberger-Gymnasiums und stellte sich den Fragen der Jugendlichen zur aktuellen Lage und zur Zukunft der EU.

Der Fachschaft Geschichte/Sozialkunde ist es angesichts der brisanten aktuellen Entwicklungen in Europa gelungen, mit der Inhaberin des Lehrstuhls für „Europaforschung und Internationale Beziehungen“ der Universität Würzburg eine ausgesprochene Expertin in Sachen Europäische Union für einen Vortrag und eine Fragestunde zu gewinnen. Gleich zu Beginn der Veranstaltung stellte die Referentin dann auch unumwunden fest, dass sich Europa zurzeit in einer „Polykrise“ befindet. Die ungelöste Frage nach dem Umgang mit Flüchtlingen in der EU und an deren Außengrenzen, der Brexit und zuletzt die Akzeptanzkrise in der Bevölkerung standen somit im Mittelpunkt des Vortrages von Prof. Dr. Gisela Müller-Brandeck-Bocquet.

Mit Datenmaterial und Einblicken in die aktuellen Forschungsergebnisse informierte sie über die Routen von Flüchtlingen, deren Gründe zur Flucht und deren Status in der EU. Dabei wurde mehr als deutlich, dass nationale Alleingänge in dem vielschichtigen Geflecht dieser Krise keine Erfolgsaussichten haben und nur ein harmonisierter Umgang zielführend ist, um die humanitären Katastrophen an den Außengrenzen der EU zu verhindern. Die zweite Krise, der vieldiskutierte Brexit, stellte den zweiten Schwerpunkt des Vortrages dar. Dieser sei zum größten Teil darauf zurückzuführen, dass mit populistischen Mitteln komplexeste Themen auf ein simples „leave“ oder „remain“ vereinfacht wurden und viele der Befürworter des Verbleibs in der EU, die vor allem in der jüngeren Generation zu finden sind, schlichtweg nicht zum Wahlgang animiert werden konnten. Deshalb sei es besonders für junge Wähler wichtig, von ihrem Recht zur Mitbestimmung Gebrauch zu machen. Jetzt stehe sowohl die neue Regierung in Britannien – ob es in Zukunft noch  „Großbritannien“ heißen wird, wird sich erst noch herausstellen – vor einem Scherbenhaufen wie auch die EU vor einer noch nie dagewesenen Krise stehe, was eng mit der dritten Krise, nämlich der Akzeptanzkrise, verbunden sei. Zumindest diese sei durch den Brexit wieder etwas abgemildert worden, weil seit der Abstimmung auf der Insel und deren jetzt schon erkennbaren Folgen sogar die internationalen Rechtspopulisten in Frankreich, den Niederlanden, Österreich und auch in Deutschland wesentlich mildere Töne gegenüber der EU anschlagen, was sie aber nicht minder gefährlich mache. In der anschließenden Fragestunde wurde dann auch lang über den Brexit und dessen Folgen diskutiert. Aber auch Fragen nach den aktuellen Entwicklungen in der Türkei und deren Rückwirkungen auf die EU und nach TTIP wurden ausführlich und kompetent beantwortet, sodass zum Schluss getrost auf den Internetaufruf von Prof. Dr. Gisela Müller-Brandeck-Bocquet mit dem Titel: „EU-Europa darf nicht scheitern – Besinnt Euch, Bürger!“ verwiesen werden konnte.

Die Schülerinnen und Schüler der Q11 haben ihr Wissen um die Wichtigkeit der EU – schließlich hat sie ihre Gründungsziele nach dauerhaftem Frieden in Europa nach zwei verheerenden Weltkriegen und Versorgungssicherheit bislang voll erreicht – in einer globalisierten Welt erweitert und vertieft.