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Oliver Karbus (Regisseur)  und Peter Oberdorf (Dramaturg des Stadttheaters Landshut) zu Gast im LK Deutsch der K12

Es ist der 24.Oktober 2007, 10:35 Uhr, ein Mittwoch wie jeder andere auch… Nur für uns nicht, denn wir sitzen in diesem Moment an einem aus Schultischen provisorisch zusammengestellten Frühstückstisch, auf dem sich ein Sammelsurium aus Brötchen, Brezeln, Geburtstagskuchen und viel Kaffee türmt. Zu Gast: Herr Peter Oberdorf, Dramaturg des Landshuter Stadttheaters, und Herr Karbus, Regisseur.
Nachdem Frau Feldkamp die zwei Herren im Namen des Deutsch - Leistungskurses begrüßt hat, unterhalten wir uns bei einem gemütlichen Frühstück über die von uns am 12. Oktober besuchte Inszenierung des König Ödipus von Sophokles im Stadttheater. Herr Karbus und Herr Oberdorf haben die Inszenierung dieses Stückes innerhalb etwa eines Jahres auf die Beine gestellt und stehen uns nun für Fragen zur Verfügung.

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Während ein Teil von uns gemütlich kaut und der andere seinen Kaffee schlürft, erklären die zwei Herren uns den einfachen Aufbau der Bühne. Diese bestand aus einem Halbkreis, in dessen Hintergrund der angedeutete Palast zu sehen war, vor dem ein aus einfachsten Mitteln gebautes Pi-förmiges Tor, auf dem ein von der über der Stadt wütenden Pest niedergestreckter Rabe lag, stand. Vor diesem Tor waren scheinbar zufällig angeordnete Stühle platziert, auf denen die Darsteller hin und wieder Platz nahmen, und auf dem Boden lagen Kleidungsstücke, die, so hatte es den Anschein, dort vergessen worden waren, und den Schauspielern im Laufe des Stückes dazu dienten, auf der Bühne in andere Rollen zu schlüpfen. Somit war es Herrn Karbus möglich, die Anzahl der spielenden Personen auf fünf zu reduzieren. Die geringe Anzahl der Schauspieler wurde auch auf das Bühnenbild übertragen, indem sich die Bühnenausstattung im Laufe der Proben in so weit reduzierte, dass sie sich schließlich nur noch auf das Pi-förmige Tor, die Stühle, die Kleidung und einer zunächst am vorderen Rand der Bühne liegenden Krone bestand, welche nur ein breiter, goldener Pappstreifen war und welche König Ödipus zu Beginn der Inszenierung von dort aufnahm und aufsetzte und am Ende, als er sich seinem tragischen Schicksal fügte, wieder an diesen Ort niederlegte. Herr Karbus hatte sich dies so gedacht, dass die am Ende wieder an denselben Ort gelegte Krone die Geschlossenheit des Geschehens symbolisiert. Weitere Andeutungen hierfür finden sich auch in der Kreiszahl Pi, die sich in der Form des Tores widerspiegelt und auch in der halbkreisförmigen Bühne. Hierbei betont der Regisseur jedoch, dass die Interpretation jedem selbst überlassen bliebe.

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Nach diesem kleinen Vortrag sprechen wir nun die Dinge an, die uns in der Aufführung ein wenig irritiert hatten. Uns war nämlich aufgefallen, dass vor allem die Wirkung auf das Publikum distanziert und emotionsarm gehalten wurde, dass jedoch an manchen Textstellen die Darsteller aus diesem Konzept ausbrachen, indem sie in laute und schrille Stimmlagen verfielen. Auffällig war auch der Kontrast des am Ende blutüberströmten Ödipus´ zu dem ansonsten einfach aufgebautem Bühnenbild und dem simplen Kleidungswechsel auf der Bühne zum Wechseln der gespielten Personen, der wie ein Schnitt durch das Gesamtkonzept wirkte. Dies wurde uns damit begründet, dass diese Extrema zur Hervorhebung der Tragik bestimmter Stellen notwendig seien.
Als wir auf die Originalübersetzung zu sprechen kommen, stellen wir fest, dass die Inszenierung kaum davon abweicht. Der Text von Oliver Karbus übertragene wurde lediglich um eine von etwa 60 Seiten gekürzt. Diese gekürzte Fassung wird in Form einer Mappe herumgereicht und wir leeren dabei die in unseren Tassen verbliebenen Kaffeereste. Während wir entspannt das Frühstück und die überaus interessante Gesprächsrunde, die das Verständnis für die Inszenierung und die Theaterarbeit im Allgemeinen  verbessert hat, ausklingen lassen, drücken die beiden Gäste ihre positive Überraschung über den Verlauf des Gespräches und über das angenehme Ambiente unserer Runde aus.
Zum Dank für ihr Kommen überreicht Frau Feldkamp den beiden Theaterleuten noch zwei Flaschen Rotwein. Nach dem Abschied von Herrn Oberndorf und Herrn Karbus gehen wir, zufrieden mit  diesen zwei anregenden und interessanten Stunden, wieder unserem gewohnten Schulalltag nach.

Jessica Drechsler und Mario Zollitsch

 

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Komplettiert wurde dieser Austausch zwischen Schule und Theater durch einen Blick hinter die Kulissen des Stadttheaters am 19.12.07, wobei uns wiederum Herr Oberdorf durchs Haus führte und geduldig alle unsere neugierigen Fragen beantwortete, sei es zur Arbeit eines Bühnenbildners oder zu seinem eigenen beruflichen Werdegang. Wir hatten freien Zutritt zur Maske, zum Fundus und zur Schneiderei und durften direkt nach dem Ende der Schüleraufführung von „Hänsel und Gretel“ auf die große Bühne und das Hexenhäuschen bewundern. Das Highlight unseres Besuches war aber die Probe von „Dinner for one“ für den Silvesterabend auf der Studiobühne, bei der wir dem Schauspieler Olaf Schürmann zuschauen durften.